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14.Juli. Französischer Nationalfeiertag. Ein Grund zum Feiern?

Franzosen feiern bis heute äußerst stolz den 14.Juli als ihren Nationalfeiertag. Am 14.Juli 1789 hatte eine aufgebrachte Menge die örtliche Waffenkammer des Militärs geplündert und das staatliche Gefängnis der Bastille gestürmt. Dabei fanden einige Terroristen den Tod. In der Bastille befreite man die wenigen Gefangenen, vorgebliche Opfer königlicher Unterdrückung und erbeutete die Munitionsvorräte der Bewachungsmannschaft. Trotz der Zusicherung ihres Lebens ermordeten die selbsternannten Revolutionäre mehrere der Soldaten nachdem sich diese ergeben hatten, hackten ihre Köpfe ab und trugen diese dann als Triumph ihres Sieges durch die Straßen von Paris.

Unter den befreiten Gefangenen der Bastille befand sich allerdings kein einziger Regimekritiker oder unterdrückter Oppositioneller. Stattdessen öffnete man die Gefängnistüren für vier Urkundenfälscher, zwei Geisteskranke und den adligen Schriftsteller Marquis de Sade, den seine Familie wegen sexuellen Missbrauchs hatte festsetzen lassen. Später wurde die Bastille als fälschliches Symbol königlicher Unterdrückung abgerissen und der sinnlose, wie auch kriminelle Akt als vorbildliche Heldentat im Kampf für Freiheit und Demokratie uminterpretiert.

Die Französische Revolution war in ihren Anfängen ein Aufstand gegen Misswirtschaft, hohe Steuern und politische Unfreiheit der einfachen Bevölkerung. Für all das machte man vor allem den Adel und die Kirche verantwortlich, obwohl bei näherer Betrachtung auch mehrere andere Faktoren zu der französischen Wirtschaftskrise Ende des 18.Jahrhunderts beitrugen, unter anderem Klimaveränderungen.

Wie in vielen anderen Fällen wurde die Unzufriedenheit der breiten Bevölkerung auch damals lediglich benutzt, um die bestehende Herrschaft hinwegzufegen und eine neue zu etablieren. Man versprach den Menschen einen wirtschaftlichen Aufschwung, Sicherheit und politische Rechte. Die meisten litten in den folgenden Jahren stattdessen aber unter einer sich weiter zuspitzenden Wirtschaftskriese und unter der immer erschreckenderen Terrorherrschaft einer kleinen Clique rücksichtsloser Revolutionäre. Die Parole der Revolution lautete: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ (französisch: Liberté, Égalité, Fraternité). In der Realität aber setzte eine Welle von Verfolgungen, Diffamierungen und Enteignungen ein. Oft genügte schon der allgemeine Verdacht, vielleicht ein Kritiker der Revolution zu sein, um seine Freiheit, sein Leben und sein Eigentum zu verlieren.

Bis heute wird die Französische Revolution als Meilenstein der Demokratie und der Menschenrechte gefeiert, als positiver Aufstand gegen Unterdrückung und Unfreiheit. Dazu soll dann auch der „Sturm auf die Bastille“ vom 14.Juli gehören. Bei genauerer Betrachtung der Ereignisse ist das eine grobe Geschichtsfälschung zur Konstruktion einer Heldengeschichte im Interesse der Nutznießer dieser Legende.

Besonders heftig wandten sich die vorgeblich für Gerechtigkeit und Freiheit eintretenden Revolutionäre gegen Christen. Zahllose Kirchen und Klöster wurden geplündert, geschändet und zerstört. Unermesslich wertvolle Kunstschätze wurden geraubt, ebenso wie kirchlicher Grundbesitz und kirchliche Gebäude. Obwohl man Kirche und Christen massiv unterdrückte, feierte man sich gleichzeitig als Garanten der Toleranz, der Wissenschaft, der Meinungs- und Religionsfreiheit. Währenddessen etablierte man mithilfe ständig wiederholter Unterstellungen durchaus erfolgreich einen nachhaltigen Hass auf Christen und Kirche, der die Revolution lange überdauern sollte und selbst bis heute von vielen Religionskritikern benutzt wird.

Dabei stört es auch kaum, dass sich die meisten der konstruierten Vorwürfe zwischenzeitlich als falsch oder zumindest als ziemlich einseitig herausgestellt haben. Zu diesen propagandistischen Halbwahrheiten gehören die aufgebauschten Schrecken der Hexenverfolgung, die vorgebliche Wissenschaftsfeindlichkeit der Christen und die mutmaßliche Unterdrückung der Menschen durch die Kirche. Bei genaueren Untersuchungen der jeweiligen Vorwürfe stellten sich diese zumeist als maßlos übertrieben oder sogar ganz falsch heraus. Absichtlich wurden die Zahlen getöteter „Hexen“ vollkommen übertrieben und die Beteiligung staatlicher Stellen, sowie der Druck der einfachen Bevölkerung vollkommen ausgeklammert.

Der erst nur lokale Aufstand, einschließlich der Stürmung der Bastille am 14.Juli 1789, weitete sich schnell auf ganz Frankreich aus. Während mehrerer Jahre wurden auf den Marktplätzen der größeren französischen Städte täglich Verdächtige enthauptet. Oft genügte es schon vorsichtige Kritik zu üben oder nicht laut genug die gerade dominierenden Revolutionäre zu loben, um in Untersuchungshaft zu geraten. Besonders kritisch war die Situation für gläubige Menschen und für Mitglieder des Adels. In dieser Zeit lernten die Menschen möglichst nicht religiös zu sein, um einer gesellschaftlichen Ächtung oder Verfolgung zu entgehen.

Selbst nach dem Ende der Französischen Revolution war das Leiden für die Bevölkerung Europas noch lange nicht zuende. Der durch die Revolution groß gewordene Napoleon Bonaparte terrorisierte halb Europa. Er eroberte und unterwarf ein Land nach dem anderen. Zumeist wurde dann einer seiner Verwandten oder ein persönlicher Günstling als neuer Herrscher eingesetzt. Die unterworfenen Länder bekamen eben keine der versprochenen Freiheiten, sondern mussten sogar noch Soldaten für Napoleons endlose Kriegszüge stellen und entsprechende Tribute entrichten.

Bekannt sind die französischen Revolutionäre für ihre Formulierung der allgemeinen Menschenrechte. Unter anderem sollte den Menschen Religionsfreiheit und politische Freiheit garantiert werden. Eingehalten wurden diese Versprechen allerdings nicht. Die Zeit der Französischen Revolution war in Wirklichkeit voller religiöser und politischer Diskriminierung, massivster Art.

Die ideologischen Verfolgungen der französischen Revolutionäre führten zu 200 – 300 000 direkten Todesopfern. Allein das revolutionäre Schreckensregime unter Robespierre forderte im Namen einer vorgeblichen „Verteidigung der Republik“ innerhalb von knapp zwei Jahren (1793/94) 40 000 Tote, die zumeist aufgrund ihrer abweichenden politischen oder religiösen Meinung verurteilt und öffentlich enthauptet wurden. Gegen die Französische Revolution wirken die europaweiten Opfer von 300 Jahre Hexenverfolgung geradezu harmlos. In der gesamten Zeit der Hexenverfolgung wurden 40 000 Menschen aufgrund von Hexerei verurteilt und getötet, zumeist von staatlichen Stellen.

Die Französische Revolution sollte die Unfreiheit der Menschen unter der Herrschaft eines absolutistischen Königs beenden. Tatsächlich wurde die Bevölkerung in Frankreich über Jahrhunderte hinweg vom Adel ausgebeutet. Auch viel Kirchenvertreter profitierten von diesem System. An die Stelle echter Freiheit trat mit der Revolution für die meisten Franzosen aber nur eine neue Unterdrückung, diesmal durch ideologische Revolutionäre.

In den zehn Jahren der Französischen Revolution (1789-1799) wurden weitaus mehr Menschen aufgrund ihres Glaubens eingesperrt und getötet als in 300 Jahren Hexenverfolgung oder im vorgeblichen Kampf der Kirche gegen die Wissenschaft. Absurderweise silieren sich die Anhänger dieser Revolution bis heute als Vorkämpfer für Freiheit und Menschenrechte, während sie Christen vorwerfen für Unterdrückung und Unfreiheit verantwortlich zu sein. Wenn Gewalt und Unterdrückung den eigenen ideologischen Interessen dienen, dann sind sie offensichtlich durchaus legitim und können sogar gefeiert werden.

Eigentlich ist es erschreckend, dass ein Ereignis, dass so viel Elend und Tod über Frankreich und der Rest Europas gebracht hat, bis heute jedes Jahr mit viel Aufwand gefeiert wird ohne an die zahlreichen unschuldigen Opfer des ideologischen Terrors jener Zeit zu erinnern.

(von Michael Kotsch)

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