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Die Furcht Gottes

Bereits seit mehreren Jahrzehnten geht es in der westlichen Christenheit vor allem um die Liebe Gottes. Ganz zweifellos ist das auch seine hervorstechendste Eigenschaft, mit der er sich durch die Propheten, durch Jesus und durch die Bibel den Menschen mitgeteilt hat (1Joh 4, 16).

Da schließt sich aber gleich auch schon die wichtige Frage an, nämlich wie man diese Liebe Gottes korrekt zu verstehen hat. Wer auf Jesus hört und in der Bibel liest, der wird schnell feststellen, dass es bei Gottes Liebe natürlich nicht darum geht, einfach zu allem „Ja“ zu sagen, was Menschen so tun; alle ihre Pläne und Vergnügungen einfach abzusegnen. Die von den Propheten des Alten Testaments beschriebene Liebe Gottes mutet Menschen gelegentlich auch schweres Leiden zu, wenn das dann dazu dient, dass sie dadurch wieder auf den richtigen Weg kommen (Spr 3, 11+12; Hebr 12, 6).

Das, was heute oft unter „Liebe“ verstanden und dann auch Gott unterschoben wird, ist manchmal eher mit Gleichgültigkeit oder Sentimentalität vergleichbar. Ein Gott, der so „liebt“, der will um keinen Preis wehtun oder Korrektur geben. Er will einfach das Wohlgefühl jedes Einzelnen stärken, vielleicht noch durch angenehme Musik positive Emotionen vermitteln. Christen soll durch so einen Gott nur immerzu gesagt werden, wie wertvoll und wichtig sie sind, um ihr sowieso schon ziemlich gesteigertes Selbstbewusstsein weiter zu verwöhnen. Im Kern geht bei dieser Vorstellung von Gottes Liebe schon lange nicht mehr um Gott, sondern nur noch um den Menschen. Gott wird zum Dienstleister. Seine Möglichkeiten und Aufgaben werden auf das reduziert, was sich ein Mensch so wünscht. Möglichst viel Spaß, Freunde, Gesundheit, Erfolg und positive Erlebnisse soll er vermittelt. So ein Gott ist natürlich beliebt. Es fragt sich nur, ob das auch der Gott der Bibel, der himmlische Vater Jesu ist.

In der Heiligen Schrift hingegen wird auch viel von der „Furcht Gottes“ gesprochen. Das ist dann keine grundlose Furcht vor einem grausamen, unberechenbaren Tyrannen. Es geht vielmehr darum, zu begreifen wie heilig und mächtig Gott ist und welche umfassende Auswirkung die Sünde im Leben jedes einzelnen Menschen und darüber hinaus in der ganzen Menschheit hat. Wer sich der Heiligkeit und Größe Gottes wirklich bewusst ist, der wird nicht mehr mit ihm diskutieren, weil ihm einzelne Aussagen und Aufforderungen des Schöpfers missfallen. Ein Christ der Ehrfurcht vor Gott hat wird nicht mehr versuchen, seine eigenen Sünden vor ihm zu rechtfertigen oder die Bibel mit langen theologischen Erklärungen solange zu bearbeiten, bis sie genau das aussagt, was man gerne hören will.

Echte Furcht Gottes hindert natürlich auch daran, Christsein als Sprungbrett der eigenen frommen Karriere zu betrachten. Damit wird Gott etwas Entscheidendes weggenommen, was nur ihm allein gehört. Und in diesen Fragen reagiert der Gott der Bibel ziemlich allergisch (Röm 1, 21-23).

Die in der Bibel beschrieben „Furcht Gottes“ hat mehr mit Ehrfurcht und einem prinzipiellen Beeindruckt- Sein zu tun als mit Angst. Wobei der Mensch, der Gott ablehnt oder bewusst ohne ihn leben will, durchaus Grund hat sich vor Gott zu fürchten, weil der gelegentlich auch schon hier auf der Erde sein Gericht ausübt (2Thess 1, 3-6). In jedem Fall muss sich der Mensch nach seinem Tod vor Gott für sein Handeln verantworten. Vor dieser Instanz hilft dann aber keine Schönfärberei oder sanfte Uminterpretation mehr, mit der sich viele Menschen während ihres Lebens vor sich selbst und vor Freunden über ihren realen Zustand hinwegtäuschen wollen. Manche Menschen werden krank oder erleben andere Formen von Leiden, weil Gott sie zurückrufen bzw. warnen will, ehe es für sie zu spät ist (Hebr 12, 6). Gott will einem Menschen auch zeigen, wer er im Vergleich zu ihm wirklich ist. Manche Menschen aber fühlen sich irrtümlicherweise wie Gott, wollen selbst bestimmen was richtig und was falsch ist.

Manchmal geraten auch Christen in die Gefahr Gott zu verunehren, weil sie ihm wie einem normalen Menschen begegnen wollen, der sie zwar unterstützen und aufbauen, keinesfalls aber ernsthaft Kritik üben darf. Manche fordern sogar, Gott müsse sich vor ihnen rechtfertigen, für schwere Lebenssituationen oder für scheinbar unverständliche Bibelstellen. Hier fehlt zumeist jede Gottesfurcht und damit jeder realistische Blick auf sich selbst und seine wirkliche Situation. Menschen sollten nicht versuchen, Gott für die eigenen Ziele und Interessen einzubinden. Das wird dem realen Verhältnis zwischen Gott und Mensch nicht gerecht, auch nicht der Größe und Würde des Schöpfers.

Wer keine „Furcht Gottes“ kennt, der tendiert schnell dazu sich, und sein eigenes Werten zu wichtig und Gott zu wenig ernst zu nehmen. Ohne Gottesfurcht wird man sich gewöhnlich auch der eigenen Sünde nur teilweise bewusst. Sünde wird im Laufe der Zeit zu einem scheinbar normalen, alltäglichen Teil des Lebens; auch für Christen. Wer sich hingegen bewusst wird, wie Gott über Sünde denkt und wie er sie verabscheut, der wird sich stärker bemühen, Sünde auch zu vermeiden. Das gleiche gilt für die angemessene Gestaltung der Freizeit oder die zahllosen täglich gesprochenen Worte. Nur wer sich in Ehrfurcht der Heiligkeit und Macht Gottes bewusst wird, ist wirklich motiviert auf Sünde, falsch Worte und verschwendete Zeit möglichst zu verzichten.

Wenn er ehrlich ist, dann kann kein Mensch mit seinen Fehlern und Unvollkommenheiten vor Gott in seiner Heiligkeit bestehen (2Sam 6, 6-9). Wer unmittelbar mit Gottes Zorn konfrontiert wird, den überkommt fast zwangsläufig ein Schrecken vor der Sünde und ihren Konsequenzen. So empfanden es die Christen, die miterleben mussten wie plötzlich Hananias und Saphira starben, weil sie Gott vor der ganzen Gemeinde belogen hatten (Apg 5, 5). „Meine Haut erschaudert vor Furcht; ich fürchte mich vor deinem Gericht.“ (Ps 119, 120) Ganz ähnlich erging es Petrus, als er sich Jesus gegenüber seiner Sündigkeit richtig bewusst wurde (Lk 5, 8-10).

Viele Menschen der Vergangenheit empfanden übergroße Ehrfurcht wenn sie auch nur in die Nähe Gottes gelangten. Dazu kam gewöhnlich ein Staunen darüber, diesem heiligen Gott überhaupt begegnen zu dürfen und der Faszination, die von dem Heiligen ausgeht (Hi 42, 5+6; Jes 6, 5; 8, 13). Gottesfurcht ist der normale Zustand, des Menschen in seiner Beziehung zu Gott. Erst wer das wirklich verstanden hat, der darf sich Gott dann staunend nähern, weil er von sich aus Gnade und Nähe angeboten hat (Lk 1, 30; 2, 10).

Gerade denen, die Gott fürchten wird seine besondere Aufmerksamkeit zugesprochen. „Gott sieht auf die, die ihn fürchten, die darauf warten, dass er seine Güte zeigt. Er bewahrt sie vor dem Tod, erhält ihr Leben in der Hungerzeit.“ (Ps 33, 18+19; vgl Ps 128, 1) Eine besonders herausragende Eigenschaft der idealen Frau ist nach biblischer Auskunft ebenfalls die Gottesfurcht (Spr 31, 30) Denen aber, die auch im Glauben vor allem auf sich und ihre Fähigkeiten schauen, will Gott mit Strafe begegnen (Spr 3, 7.8, 34).

Die „Furcht Gottes“ motiviert Christen dazu, ein Leben im Sinne Gottes zu führen. „Darum wollen wir uns von allem rein halten, was Körper und Geist beschmutzt, und in Ehrfurcht vor Gott die Heiligung verwirklichen.“ (2Kor 7, 1; vgl. 5Mose 13, 5) Hier lässt Paulus keinen Zweifel, dass Gott für den zu fürchten ist, der es mit seinen Geboten nicht so ernst nimmt. Wer die Furcht Gottes vergisst, der beginnt schnell auch die Leitlinien der Bibel zu vernachlässigen und sich gleichgültig zu anderen Menschen zu verhalten. „Wer Barmherzigkeit seinem Nächsten verweigert, der gibt die Furcht vor dem Allmächtigen auf.“ (Hi 6, 14)

Ohne das Denken und die Wissenschaft dabei herabzusetzen wird die Furcht Gottes als Grundlage aller Weisheit und allen sachgerechten Forschens betrachtet. Die Furcht Gottes zeigt die eigenen Grenzen auf und ist sich des Rahmens bewusst, in dem denken und wissen überhaupt erst möglich gemacht werden (Spr 1, 7; 15, 33).

Das tiefe Wissen um die Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes führt Christen dazu, andere Menschen für ein Leben mit Jesus zu gewinnen. „Weil wir nun wissen, wie sehr der Herr zu fürchten ist, versuchen wir Menschen zu überzeugen.“ (2Kor 5, 11)

Wem die Ernsthaftigkeit und die Furcht Gottes im Christenleben etwas abhandengekommen sind, der sollte neu danach suchen, sich in der Bibel entsprechenden Aussagen stellen und Gott selbst um eine korrekte Sicht seiner Heiligkeit und Größe bitten. Ganz sicher wird Gott auf ein ernst gemeintes Gebet angemessen antworten.

(von Michael Kotsch)

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