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Edward O. Wilson. Evolution und Gott?

Edward O. Wilson war einer der weltweit wichtigsten Evolutionsbiologen. Ende Dezember 2021 ist er im Alter von 92 Jahren gestorben. Weithin bekannt geworden ist der Harvard-Professor durch seien detaillierten Forschungen über das Sozialverhalten von Ameisen. Das „Time“-Magazin zählte ihn 1996 zu einem der 25 einflussreichsten Menschen Amerikas. Zwei der von ihm verfassten Sachbücher erhielten den begehrten Pulitzer-Preis.

In den 1970er Jahren forschte Wilson über Sozialbiologie, wie er das nannte, biologische Faktoren die das alltägliche Verhalten von Tieren und Menschen bestimmen. Er ging davon aus, dass etwa 10% des menschlichen Verhaltens eindeutig auf biologische bzw. genetische Faktoren zurückgeht und nicht von Logik oder Erziehung bestimmt ist. Da die einzelnen Menschen biologisch unterschiedlich ausgestattet sind, hätten sie auch unterschiedliche Chancen im Leben. Im Grunde genommen sei das unter Menschen wie unter Tieren, argumentierte der Professor, weil sie ja von diesen abstammen würden.

In den 1990er Jahren widmete sich Wilson insbesondere dem Umweltschutz. Die Erhaltung der biologischen Vielfalt hatte für ihn einen Wert an sich. Seiner Vermutung nach seien bisher lediglich 10% aller Arten umfassend wissenschaftlich beschrieben, weshalb die Erde noch immer ein weitgehend unbekannter Planet sei. Dabei sprach der Wissenschaftler dem Menschen keine prinzipiell herausragende Funktion zu.

Wilson äußerte sich auch immer wieder über Glaubensfragen. Er ärgerte sich darüber, dass im Vergleich zu Europa in den USA so viele Menschen religiös sind und immer wieder Zweifel an dem umfassenden Erklärungsanspruch der Evolutionstheorie äußern. Aus seiner Sicht sei das dumm und wissenschaftsfeindlich. Weil evangelikale Christen mit einem Eingreifen und Reden Gottes rechnen, sind sie für Wilson eine Gefahr für die Gesellschaft.

Wilson anerkannte den Glauben als wichtige und prägende Kraft in der Welt, neben der Wissenschaft. Allerdings forderte er Christen auf, das Jenseits zu vergessen und auch alle theologischen Auseinandersetzung, um sich dann ganz dem irdischen Überleben der Menschheit und der Rettung der Natur zu widmen. Am Ende sei vor allem die Natur als „heilig“ anzusehen.

Den Versuch mancher Christen, Evolution und Schöpfung miteinander zu verbinden, indem man eine von Gott gesteuerte Evolution behauptet, hielt Wilson für unsinnig. Evolution kommt seiner Meinung nach auch ganz gut ohne Gott aus. Der christliche Glaube würde durch solche Vermischungen sogar an Glaubwürdigkeit verlieren, weil er sich den momentanen Erkenntnissen der Forschung unterordne, ist  Wilson überzeugt.

In Interviews äußerte Wilson, er glaube nicht an ein Weiterleben nach dem Tod oder eine losgelöst vom Körper existierende Seele. Das Menschsein ergäbe sich in der Funktionsweise des Gehirns und dem komplexen Zusammenspiel zahlreicher menschlicher Zellen, interpretierte Wilson streng materialistisch.

Wilson behauptete, der Mensch sei gar nicht tauglich für ein Leben in der Ewigkeit. Überhaupt interessiere es ihn eigentlich auch nicht, ob es ein Leben nach dem Tod gäbe oder nicht. Allerdings musste er redlicher Weise zugeben, dass es keinen Beweis gegen Gott gibt, dass, solange keine befriedigende Erklärung für den Ursprung des Universums besteht, die Existenz Gottes sogar wahrscheinlich ist. Dieser Gott aber habe nichts mit dem einzelnen Menschen oder mit Religion zu tun.

Religion wurde von Wilson als Ergebnis der Evolution interpretiert. Vorgeblich liefere die Religion durch ihre Hoffnung auf höhere Kräfte und der vermehrten Einsatz religiöser Menschen für die Gruppe, einen deutlichen Überlebensvorteil. In der  modernen Gesellschaft aber sei das nicht mehr notwendig. Deshalb plädierte Wilson für eine vorsätzliche Evolution, eine gezielte gentechnische Verbesserung des Menschen.

Viele von Wilsons Überzeugungen und Interpretationen sind zwischenzeitlich weit verbreitet. Dabei sollte man allerdings nicht vergessen, dass es sich eben nur um Meinungen handelt, die nicht direkt auf wissenschaftlichen Ergebnissen aufbauen, ganz besonders da wo es den Glauben, die Seele und andere Aspekte der Religion betrifft. Dabei sollte gerade jemand, der die Welt als weitgehend unerforschten Planeten betrachtet, der für eine zukunftsoffene Wissenschaft plädiert, Gott nicht vorschnell wegstreichen, nur weil er mit den Mitteln gegenwärtiger Wissenschaft nicht messbar ist oder sich nicht rein materialistisch erklären lässt. Das funktioniert eben auch nur, wenn man all die persönlichen religiösen Erlebnisse unzähliger Menschen, die Augenzeugenberichte verblüffender Wunder und die erfüllte Prophetie, sowie Gebetserhörungen und die Erscheinungen des auferstandenen Jesus allesamt als Täuschungen, Mißinterpretationen oder arglistigen Betrug ansieht. So etwas ist dann aber keine wissenschaftliche Aussage mehr sondern Ausdruck einer materialistischen Weltanschauung.

Zweifellos hat Edward O. Wilson ganz sicher Außergewöhnliches in der Biologie geleistet, glaubwürdiger Sachverständiger für Fragen des Glaubens ist er deshalb aber nicht unbedingt. Wenn der Selbstanspruch biblischer Autoren zutrifft, nicht ihre private Meinung aufgeschrieben zu haben, sondern das was ihnen übernatürlich mitgeteilt wurde, dann gibt es einen Gott, eine menschliche Seele und ein Weiterleben nach dem Tod. Dafür sprechen sowohl zahlreiche Zeugenaussagen als auch rein sachliche Gründe.

Jetzt, nach seinem Tod, weiß Edward O. Wilson zweifellos, ob er mit seinen Annahmen über Gott und die Seele Recht hatte oder nicht. Jeder denkende Mensch muss ehrlicherweise wohl einen gewissen Rest an Unsicherheit haben, wenn er auf den Tod zugeht. In jedem Fall ist das Ende des irdischen Lebens, das Sterben des Körpers, ein einschneidendes, alles veränderndes Ereignis. Kurze Zeit später ist dann klar, ob es eine vom Körper unabhängige Seele wirklich gibt oder nicht.

Am Wichtigsten für das Nachdenken über das Weiterleben der menschlichen Seele sind wohl die Berichte über Jesus Christus, der nach seinem eindeutigen Tod wieder lebendig wurde, was zahlreiche unverdächtige Augenzeugen bestätigten.

(von Michael Kotsch)

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