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Christus- König von Lissabon

Cristo Rei ist eine riesige Jesus- Statue oberhalb von Lissabon. Das Denkmal erinnert an die Bewahrung Portugals im Zweiten Weltkrieg. Es ist ein Zeichen von Dankbarkeit und Glauben.

„Cristo – Rei“, also Christus – König, bzw. Christus ist König, heißt die riesige weiße Jesus- Statue, die
von fast ganz Lissabon aus zu sehen ist. Während des Tages kann man das auf einem Berg am
anderen Tejo- Ufer stehende „Christus – König – Denkmal“ am meist blauen Himmel deutlich erkennen. Während der Nacht wird es mit Scheinwerfern angestrahlt. Von der Aussichtsplattform auf dem 82 Meter hohen Betonsockel hat man den wahrscheinlich besten Blick auf die besamte Tejo- Mündung, bis hin zum offenen Meer, auf die ganze Stadt Lissabon und kilometerweit ins Land hinein. Die Christusstatue selbst ist noch einmal 28 Meter hoch. Jesus lächelt und breitet seine Arme Richtung Stadt aus. „Cristo – Rei“ ist nicht nur ein sehr beliebter Ausflugsort für Touristen, man findet hier auch zahlreiche katholische Pilgergruppen. Für sie ist diese Statue mit der in ihren Sockel eingebauten Kapelle ein ganz besonderes Heiligtum.

Auf dem großen Platz rund um das Denkmal herum wurden unzählige Ölbäume gepflanzt, die an Israel und speziell an den Garten Gethsemane erinnern sollen, wo sich Jesus vor der Festnahme und
Hinrichtung mit seinen Jüngern getroffen hatte. Hier bereitete er sich auf seinen freiwilligen Tod
vor, der allen Menschen die Vergebung ihrer Schuld ermöglichen würde. Tafeln an schräg
gelegten, metallenen Kreuzen erinnern die Besucher von „Cristo- Rei“ heute an die verschiedenen in
der Bibel genannten Stationen des Leidens Jesu.

Direkt unterhalb des Christus Denkmals sieht man auf die geschwungene, rote Metallkonstruktion
der wohl bekanntesten Brücke über den Tejo die sofort an die „Golden Gate Bridge“ von San
Francisco erinnert.

Das Denkmal von „Cristo- Rei“ ist eine ständige Erinnerung an die gnädige Bewahrung Gottes. Im
Jahr 1942, mitten in den Wirren des Zweiten Weltkriegs, trafen sich die portugiesischen Bischöfe und
versprachen Gott ein solches Denkmal zu errichten, wenn er das Land vor Zerstörung bewahren würde.  Und tatsächlich gehörte Portugal zu einem der wenigen Staaten Europas, der, zur großen Erleichterung seiner Bevölkerung, fast vollständig von diesem Weltkrieg verschont blieb. 1949 begann man daraufhin mit dem Bau des beeindruckenden Denkmals. 1959 schließlich wurde „Cristo – Rei“ mit 300 000 Gästen eingeweiht. Bewusst oder unbewusst werden seither die Lissabonner und auch die zahlreichen Touristen an ihre Abhängigkeit von Gott erinnert. Als künstlerisches Vorbild des Denkmals  gilt die nur wenig größere Statue „Cristo Redentor“ oberhalb von Rio de Janeiro in Brasilien.

Natürlich kann man jetzt auch kritisch fragen, warum gerade die Portugiesen vor den Schrecken des Zweiten Weltkriegs bewahrt blieben, während viele andere Länder Europas in Schutt und Asche sanken. Tatsächlich ist das Leben nicht kommunistisch gelichgeschaltet, nirgends auf der Welt. Ganz gleich wie sehr man sich das wünscht oder eben auch nicht. Menschen und ihre Schicksale sind sehr
unterschiedlich. Der eine wird schön, intelligent und reich geboren; der andere arm und hässlich.
Darüber kann man sich natürlich ärgern. Wobei die besonders Privilegierten sich zumeist nicht
wirklich wünschen, alle wären wie sie. Man genießt es eben irgendwie doch anders zu sein und mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Wären alle wirklich gleich, dann würde man schnell in der großen Masse untergehen. Dabei bemühen sich heute selbst die Bewohner der reichen Länder dieser Welt sich durch ihren Besitz, oder ihre mediale Selbst- Inszenierung besonders hervorzuheben. Die schöne Kleidung oder die besondere Weltreise fällt eben den Freunden nur deshalb positiv auf, weil das nicht jeder hat.

Gott hat auch nirgends versprochen, alle Menschen immer genau gleich zu behandeln und auch nicht alle Länder der Erde. Manche werden zumindest zeitweilig unverdient gesegnet; andere leiden nach
einer längeren Zeit göttlicher Ermahnung. Beschweren tun sich allerdings fast immer nur die
Leidenden. In seltenen Fällen sehen Leute ihr zurückliegendes Fehlverhalten ein und suchen
Vergebung. Wesentlich häufiger sind Menschen einfach unzufrieden und wenn sie keinen anderen
vorgeblich Verantwortlichen für ihre Misere haben, dann schieben sie gerne Gott alles in die
Schuhe. Am Ende hilft auch das natürlich nicht wirklich. Statt aber immer nur bei der
Unterschiedlichkeit des Lebens und beim unverdienten Segen, bzw. dem oft verdienten Leiden
stehenzubleiben, kann man sich auch einfach mit den Portugiesen freuen, das sie von Tod und
Zerstörung des Zweiten Weltkriegs verschont geblieben waren; durch die Bewahrung Gottes, wie
viele von ihnen fest überzeugt sind.

Es lohnt sich, auf Gott zu vertrauen. Jeder, der Lissabon besucht und das riesige „Cristo – Rei-
Denkmal“ sieht, sollte sich daran erinnern. Dann kann man sich auch über die schönen Phasen des eigenen Lebens ganz besonders freuen und die schweren Momente mit der Kraft Gottes weit besser ertragen. Immerhin zeigt sich Gott in der Bibel nicht nur als anonyme Energie, sondern als persönlich
handelndes Wesen; im eigenen Leben und in der großen Weltgeschichte. Die weiß leuchtende Christus – Statue über Lissabon ist ein weithin sichtbares Zeichen für diese manchmal vergessene Realität. „Cristo – Rei“ heißt eben soviel wie „Christus regiert“ oder „Christus ist König“.

(von Michael Kotsch)

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