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Ältester Mensch gestorben

Gerade ist der älteste bis dahin lebende Mensch der Welt gestorben; eine humorvolle, französische Ordensfrau. Alt werden wollen viele, alt sein nicht, heißt es häufig. Mancher möchte einfach noch immer mehr erleben. Ein anderer fürchtet eher das irdische Ende und die damit verbundene Unsicherheit, ob und wie es dann weitergeht. Oftmals will man auch das Sterben einfach noch etwas aufschieben, weil es häufig mit Krankheit und Schmerzen verbunden ist. In einem langen Leben kann man viel machen und ausprobieren, unter Umständen aber auch viel Leid erleben. Oftmals laufen das Leben und auch das Sterben nicht so, wie man sich das vorgestellt oder gewünscht hat. Wirklich alt zu sein, ist fast immer mit deutlichen körperlichen Einschränkungen verbunden. Ein Organ nach dem anderen reduziert seine Leistung oder fällt ganz aus.

Gegen manche Bäume, Pilze und originelle Meeresbewohner, die unter geeigneten Bedingungen mehrere tausend Jahre alt werden können, ist selbst ein hundertjähriger Mensch eigentlich noch ziemlich jung. Auf der andren Seite gibt es viele Organismen, die nur wenige Stunden oder Tage zu leben haben, wie die sprichwörtliche Eintagsfliege. Gegen diese Wesen ist ein Mensch, der das durchschnittliche Lebensalter von rund 80 Jahren erreicht hat, ein wahrer Methusalem.

Lucile Randon, besser bekannt als Schwester André, starb jetzt im Alter von 118 Jahren. Sie wurde am 11. Februar 1904 in Südfrankreich geboren. Nun beendete sie ihr Leben in einem Altenheim in Toulon. Schwester André überlebte zwei Weltkriege, sie überstand die Spanische Grippe und eine Corona-Infektion. Lange pflegte sie Senioren, die deutlich jünger waren als sie selbst. Seit rund einem Jahr war sie der älteste lebende Mensch der Welt.

Schon seit ihrer Jugend war Schwester André in der Kirche aktiv. Der feste Glaube an Gott half ihr in manchen Lebenskrisen. Mit etwa 40 Jahren trat sie dem Orden der Vinzentinerinnen bei. Über mehr als drei Jahrzehnte hinweg arbeitete sie in einem Krankenhaus der Stadt Vichy und kümmerte sich dort um Waisen und alte Menschen. Später zog sie nach Toulon.

Als eines der schönsten Ereignisse ihres Lebens bezeichnete Schwester André die gesunde Rückkehr ihrer beiden Brüder aus dem 1.Weltkrieg. Das betrachtete sie als eine eindrückliche Gebetserhörung und ein echtes Wunder Gottes. Viel mehr junge Männer waren in ihrer Umgebung im Krieg gestorben als unversehrt zurückgekommen.

Auch als Rentnerin engagierte sich Schwester André für andere Menschen, denen es schlechter ging als ihr. Selbst noch, als sie schon erblindet war und im Rollstuhl saß, pflegte sie Senioren, die deutlich jünger waren als sie. Arbeit empfand sie selten nur als Belastung, sondern immer auch als von Gott übertragene Aufgabe und als Chance Gutes zu tun. „Die Leute sagen, dass Arbeit tötet, aber mich hat die Arbeit am Leben gehalten. Ich habe gearbeitet, bis ich 108 Jahre alt war.“, Schwester André rief auch noch im hohen Alter zu mehr praktizierter Nächstenliebe auf. „Die Menschen sollten sich gegenseitig helfen und sich lieben anstatt sich zu hassen. Dann wäre alles viel besser.“

2022 war die Ordensfrau an Corona erkrankt. Ihre Pfleger hatten während dieser Zeit mehr Bedenken als sie selbst. Damals betonte sie keine Angst vor dem Tod zu haben, weil sie sich sicher war, dann in der Ewigkeit bei Gott zu sein. Sie freute sich auch darauf, ihre schon lange verstorbenen, gläubigen Freunde und Verwandte wiederzusehen. Schlussendlich verlief die Erkrankung bei ihr dann glücklicherweise ohne große Nebenwirkungen. Allerdings litt sie während dieser Zeit an dem dreifachen Eingeschlossensein, wie sie das nannte. „Gefesselt an den Rollstuhl, isoliert in ihrem Zimmer und ohne Besucher.“

Bis ins hohe Alter war Schwester André offen für andere Menschen und ihre Probleme. Über die letzten Jahrzehnte hinweg begann ihr Tag um sieben Uhr früh mit der Morgenandacht, die sie niemals verpasste. Jeden Tag nahm sie sich auch einige Zeit zum persönlichen Gebet.

Letztendlich sagt die bloße Lebenslänge eines Menschen nur relativ wenig aus. Der eine füllt sein Leben mit vielen sinnvollen Tätigkeiten, der andere lässt es nur achtlos an sich vorüberziehen oder quält währenddessen sogar noch viele andere.

Gott als der Herr des Lebens, als der, der das Leben konzipiert hat, mahnt sorgsam mit diesem Geschenk umzugehen. Leben ist aus Gottes Sicht eine Chance, anderen Menschen Gutes zu tun, den Sinn der eigenen Existenz zu begreifen, sich an den vielen Aspekten der Schöpfung zu freuen und vor allem Kontakt zu ihm als dem tiefsten Sinngeber und der personifizierten Wahrheit zu bekommen. Dazu ist es unter anderem notwendig, sich die eigenen Defizite einzugestehen, die ganz privaten Grenzen und Mängel. Nur dann wird man gnädig für andere und offen für Gott. Außerdem braucht es die Vergebung der eigenen Schuld, die sonst jedes geistliche Vorankommen hemmt. Das hat Gott allen angeboten, die das einsehen, bereuen und ihn um Vergebung bitten.

Realistisch gesehen kann nicht jeder damit rechnen, mehr als hundert Jahre alt zu werden. Mit der Hilfe Gottes aber ist es jedem Menschen möglich ein sinnvolles und erfülltes Leben zu führen; auch in deutlich kürzerer Zeit. Hiervon sollte man sich nicht durch Träumereien, Oberflächlichkeit oder Uneinsichtigkeit ablenken lassen.

„Gott, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ (Psalm 90, 12)

„Achtet also genau darauf, wie ihr euer Leben führt – nicht als törichte, sondern als weise Menschen! Nutzt die Gelegenheiten, die Gott euch gibt, denn wir leben in einer bösen Zeit.“ (Epheser 5, 15+16)

(von Michael Kotsch)

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