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Gefängnis- Erweckung in Paraguay

Für viele Europäer wirkt die Bibel zwischenzeitlich ziemlich lebensfremd und hoffnungslos veraltet. Doch nach wie vor verändert Gott durch sein Wort auch heute noch zahlreiche Menschen in sehr positiver Art und Weise. Ein beeindruckendes Beispiel erfuhr ich während meines Besuchs in Paraguay.

Die durch den Mennoniten Johann Hiebert gegründete Trans Chaco Mission engagiert sich unter anderem in einer landesweiten Gefängnisarbeit. Ein Zusammenschluss von 13 deutschsprachigen Gemeinden in Paraguay stellt viele der Mitarbeiter und finanziert die Aktivitäten mit rund 18 000 Euro monatlich.

Lokale Pastoren werden bei ihren Besuchen im Gefängnis von ehrenamtlichen Helfern aus den Gemeinden unterstützt. In diesem Zusammenhang fuhr  eine Gruppe von 14 Ehepaaren zum Gefängnis von San Pedro / Paraguay. Zum ersten Mal kamen sie in einen Trakt der Anstalt, der bisher noch nicht betreut worden war. In einem großen Raum befanden sich etwas mehr als 50 Männer. Viele lagen apathisch auf Matratzen am Boden, andere lehnten Marihuana rauchend an den Wänden. Den meisten standen  Frustration und Verzweiflung deutlich ins Gesicht geschrieben. Es roch muffig. Die Luft war von Rauch geschwängert. Boden und Wände waren schmutzig. Die meisten Gefangenen hatten kein eigenes Bett.

Mit etwas mulmigem Gefühlt stellten sich die mennonitischen Besucher auf und begann Lieder für die Gefangenen zu singen. Manche waren so berauscht, dass sie einfach gar nichts mitbekamen. Andere zeigten sich gerührt, denn so etwas hatten sie bisher noch nie erlebt. Über Jahre hinweg waren sie daran gewöhnt, im Gefängnis verachtet und vergessen zu werden. Einige warteten schon seit langem auf ihren Prozess. Nach einer Kurzpredigt wollte der mennonitische Redner wissen, wer für eine Veränderung seines Lebens durch Jesus Christus offen wäre. Drei der Insassen meldeten sich zögerlich. Viele hatten jede Hoffnung auf Veränderung und Verbesserung ihrer Lebenssituation zwischenzeitlich längst aufgegeben. Zum Schluss fragte der Pastor Gefangene und Besucher, wer von ihnen bereit sei, jeden Tag, bis zum Ende des Jahres für eine positive Veränderung in diesem Trakt des Gefängnisses zu beten. Die meisten der Mennoniten, aber auch einige der Gefangenen, erklärten sich nach anfänglichem Zögern dazu bereit.

In den folgenden Monaten kam der Pastor immer wieder zu kurzen Besuchen in die Haftanstalt, oft von einigen Gemeindegliedern begleitet. Zuhause zimmerten die Mennoniten einige Betten und bekamen von der Gefängnisleitung die Erlaubnis, sie in dem betreffenden Raum aufzustellen. Mit Hilfe der Gefangenen säuberten sie Böden und Wände. Einige der inhaftierten Männer begannen nun neue Hoffnung zu schöpfen. Bald darauf erkundigte sich der Pastor, welcher der Gefangenen ein Leben mit Jesus beginnen wolle und an einem Bibelkurs Interesse hätte. Ziemlich überraschen meldeten sich gleich 19 Männer. Sie erhielten eine eigene Bibel und trafen sich viermal wöchentlich in ihrem Gefängnis mit dem Pastor zum gemeinsamen Bibelstudium. Nach zwei Monaten und reiflichen Überlegungen wollten 15 der Häftlinge ihr Leben grundlegend verändern und deshalb Christ werden. Zwischenzeitlich hatten sie viel in der Bibel gelesen, gebetet und die Grundzüge des christlichen Glaubens kennenglernt. Zwei Monate später fand im Gefängnis von San Pedro eine erste Taufe statt. Das forderte nicht nur die anderen Gefangenen heraus, sondern erstaunte auch die gar nicht an so etwas gewöhnten Wärter.

Jetzt trifft sich regelmäßig eine kleine Häftlingsgemeinde, betreut durch Mitarbeiter der Trans- Chaco- Mission. Das Verhalten der bekehrten Gefangenen hat sich zwischenzeitlich deutlich zum Positiven hin verändert. Sie haben eine neue, mutmachende Perspektive für ihr Leben gewonnen. Auch andere Häftlinge interessieren sich nun für den christlichen Glauben. Eine große Herausforderung ist natürlich die Zeit nach der Entlassung. Dann werden viele von ihnen in ihre alte Umgebung zurückkehren und müssen sich mit ihrem neugewonnen Glauben bewähren. Wenn es soweit ist, wollen die hier engagierten mennonitischen Gemeinden eine individuelle Betreuung für diese jungen Christen anbieten. Das soll sie davor bewahren, wieder in ihr früheres kriminelles Umfeld zurückzufallen.

(von Michael Kotsch)

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