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Jesus tut Wunder!

Jesus fasziniert die Menschen, seit mehr als 2000 Jahren, weltweit. Manchen gefällt sein bedingungsloser Einsatz für die Hilfsbedürftigen, sein ehrliches und authentisches Auftreten. Andere loben seine Bedürfnislosigkeit, seine konsequente Ausrichtung auf Gott und seine unübertroffenen Lebensweisheiten. Gerade wenn man sich mit der biblischen Lebensbeschreibung Jesu beschäftigt kommt man nicht um die zahlreichen Wunder herum, die Menschen mit ihm erlebt hatten. Jesus beeindruckte wie kein anderer. Mit ein paar Fischen und Broten machte er Tausende satt. Er konnte den Menschen ins Herz sehen und ihnen genau das sagen, was sie zu diesem Zeitpunkt brauchten. Mit einem Wort von ihm wurden Blinde sehend und Lahme gehend. Jesus konnte auf dem Wasser eines Sees spazieren, als liefe er über eine Straße. Allein durch seinen Willen machte er Tote wieder lebendig.

Das alles bringt zum Staunen und fordert heraus. Irgendwie braucht man eine Antwort darauf, wie Jesus das tun konnte. Manche halten die in den Evangelien wiedergegebenen Erfahrungsberichte schlicht und einfach für fromme Erfindungen. Wirkliche Belege für eine solche Interpretation gibt es allerdings nicht. Aus dieser Deutung spricht vor allem ein tiefer Zweifel. Weil man selbst solche Wunder nie erlebt hat und weil Wunder natürlich nicht im Rahmen allgemeingültiger Naturgesetze erklärt werden können, hält man sie für unglaubwürdig.

Wunder sind für den einen feste Realität. Für den anderen sind sie reine Einbildung. Tatsächlich hat man mit Wundern verschiedene Probleme. Sie lassen sich weder exakt vorhersagen, noch bewusst hervorrufen. Wunder sträuben sich gegen eine rein innerweltliche Deutung und können alleine mit der Kenntnis von Naturgesetzen nicht erklärt werden. Sie finden zumeist auch nicht im Labor statt, sodass gleich ein möglichst vollständiges Beobachtungsprotokoll vorliegt. Ihrem Wesen nach kommen Wunder nur verhältnismäßig selten vor und widersprechen alltäglichen Erfahrungen.

Eines der stärksten von Jesus bewirkten Wunder ist die grundlegende und dauerhafte Veränderung eines Menschen. Aus einem geldgierigen und egoistischen Geschäftsmann wurde durch die Begegnung mit Jesus innerhalb weniger Minuten ein freigiebiger, mitfühlender Mensch (Lk 19, 1-10). Aus einem fanatischen Dogmatiker wurde ein liebevoller und friedlicher Gemeindegründer (Phil 3, 4-8). Noch wichtiger als spektakuläre Naturwunder ist in der Bibel die Wiederherstellung der Verbindung zwischen Gott und Mensch, die geistliche Widergeburt. Jesus selbst warnt mehrfach davor, zu sehr auf seine äußerlich beeindruckenden Taten zu schauen und dabei seine eigentlichen geistlichen Absichten zu übersehen (Lk 10, 17-20). An einigen Stellen weigert er sich sogar Wunder zu tun, weil er bemerkt, dass man ihn nur darauf reduzieren will, bzw. dass man diese Wunder lediglich für seinen eigene Vorteil oder zur angenehmen Unterhaltung missbrauchen möchte (Mk 8, 11; Lk 11, 29).

Manche Wunder Jesu laden direkt zum Spekulieren ein. Irgendwie kann man ziemlich endlos und kreativ darüber nachdenken, wie es vielleicht gewesen sein könnte. Immer wieder werden solche Erklärungen populär oder mit einem Anschein von Wissenschaftlichkeit angeboten. Eines haben sie gemeinsam, in Wirklichkeit handelte es sich am Ende eben um kein echtes Wunder. Lediglich die in ihrem begrenzten Wissen befangenen Beobachter haben nicht sofort alle Aspekte des Geschehens richtig einordnen können. Der von Jesus auferweckte Tote war demnach in Wirklichkeit nicht ganz tot, sondern vielleicht nur ohnmächtig oder im Koma. Damals konnten die Menschen das mit ihrem begrenzten medizinischen Wissensstand eben nicht genau verstehen. Bei dem Blinden handelte es sich wahrscheinlich um einen Menschen mit grauem Star, dem Jesus durch eine damals unbekannte Operation wieder einen klaren Blick verschaffte. Die erstaunliche Beendigung eines Sturms auf dem See Genezareth beruhte wahrscheinlich auf den besonderen meteorologischen Kenntnissen Jesu, der bereits das Ende des Unwetters erkannte, während andere noch ein langes Anhalten des Sturms prognostizierten.

Rationalistische Erklärungsversuche sind durchaus ehrenwert. Teilweise können sie sogar helfen, sich die jeweils beschriebenen Ereignisse irgendwie vorstellen zu können. Im Kern aber gehen solche Konstruktionen am Wesen des Wunders vorbei. Ein Wunder bedeutet, dass Gott den Menschen zum Staunen bringen will, dass er ihm seine Macht plastisch vor Augen führt und dass er dabei auch noch die Relativität fester Naturgesetze demonstriert.

Wunder zeigen deutlich, dass Jesus mehr war als ein normaler Mensch. Deshalb wurde schon im Alten Testament angekündigt, dass der besondere Bote, der die Trennung zu Gott endgültig überwinden würde, durch außerordentliche Wunder beglaubigt werden sollte. Genau das tat Jesus dann während seines irdischen Lebens (Jes 35, 5+6; 61, 1; Lk 7, 22). Gerade die theologischen Spezialisten der damaligen Zeit erkannten das auch ganz klar. Bei vielen der Wunder Jesu ging es nicht nur um die Menschen, denen unmittelbar geholfen wurde, sondern um den Nachweis, dass er wirklich von Gott beauftragt war und nicht etwa nur als sektiererischer Hochstapler auftrat. Deshalb konzentrierten sich, nach biblischer Auskunft, so viel Wunder in der Lebenszeit Jesu. Nie vorher oder späterer war Ähnliches zu beobachten.

Weder damals noch heute konnte irgendjemand Jesus dazu zwingen, ein Wunder zu tun; das zu machen, was man sich so dringend von ihm wünschte. Zwar konnten die Menschen Jesus freundlich bitten, sich um ihr Anliegen zu kümmern. Ob und wie er dann reagierte, das hatten die Menschen dann aber nicht mehr in der Hand. Manchmal handelte Jesu wie erhofft und heilte einen schwer Kranken sofort (Mk 7, 31ff.; 8,22ff). Manchmal aber lehnte er ein Wunder auch ab, entzog sich den zahlreichen Bittstellern oder handelte ganz anders als sich die Menschen das wünschten (Mt 4, 6; 16, 1; Mk 2, 1-5). Nur magisch denkende Personen hoffen auch heute noch, Jesus mit irgendeiner Methode in den Griff zu bekommen. Durch die richtige Formulierung, einen besonders starken Glauben oder das Versprechen einer religiösen Leistung versuchen sie Jesus zu zwingen, das zu machen, was sie von ihm erwarten. Jesus aber ist souverän und frei in seinen Entscheidungen und auch in seinen Wundern. Der glaubende Mensch muss sich ganz auf ihn einlassen, seiner Entscheidung vertrauen, auch wenn sie nicht den eigenen Wünschen entspricht. Dieses tiefe Vertrauen zu Jesus ist der Kern des christlichen Glaubens, nicht das Erleben möglichst zahlreicher Wunder (Joh 12, 37).

Jesus kann natürlich auch heute noch Wunder tun und gelegentlich macht er das auch. Wunder können aber eben durch keine magischen Praktiken erzwungen werden, weder durch besonders innige Bitten, noch durch Verhandlungen oder Bestechungen, bzw. durch eine außerordentlich feste Einbildung. Gott ist kein leicht beeinflussbarer Mensch und auch kein vorgeblich geistliches Naturgesetz, das mit der richtigen Methode für die eigenen Zwecke eingesetzt werden kann.

Die Wunder Jesu zeigen dem ehrlich suchenden Menschen noch immer seinen göttlichen Hintergrund (Hebr 2, 4). Bis heute lassen die Wunder Jesu staunen, wenn man sie nicht vorschnell rationalistisch wegerklärt, weil sie der eigenen Erfahrungswelt oder dem eigenen materialistischen Weltbild widersprechen. Deutlich weisen die Wunder Jesu über alle menschlichen und wissenschaftlichen Möglichkeiten hinaus, zeigen, dass die Wirklichkeit eben deutlich größer ist als alles was man bisher erkennen oder wissenschaftlich beschreiben kann. Wunder machen deshalb bescheiden, was eigene Wahrheitsansprüche angeht, und sie lassen staunen. Die Wunder Jesu ermutigen dazu, sich auch heute noch mit aussichtslosen Situationen vertrauensvoll an ihn zu wenden. Vor allem braucht jeder, der sich ernsthaft mit den Wundern Jesu beschäftigt, diese Wiederherstellung der zerbrochenen Beziehung zu Gott, die endgültige Ausräumung von Schuld und tragischer Selbstinszenierung. Das größte Wunder Jesu war deshalb die Überwindung des Todes, mit der er seine Macht demonstrierte, ewiges Leben geben zu können (1Kor 15, 24-26; 2Tim 1, 10).

Jesus forderte die ihn beobachtenden Menschen auf: „Lasst euch wenigstens von den Werken und Wundern überzeugen, wenn ihr mir schon nicht glauben wollt. An ihnen müsstet ihr doch erkennen, dass der Vater in mir ist und dass ich von Gott dem Vater komme.“ (Johannes 10, 38)

„Jesus tat vor den Augen seiner Jünger noch viele andere Wunderzeichen, die aber nicht in diesem Buch aufgeschrieben sind. Was hier berichtet ist, wurde aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr als Glaubende ewiges Leben habt in seinem Namen.“ (Johannes 20, 30+31)

(von Michael Kotsch)

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