Kategorien
Podcast

Geschenke vom Himmel

Jeder lässt sich wahrscheinlich gerne beschenken. Natürlich kommt es immer auch darauf an, was man geschenkt bekommt. Kaum einer will sich wahrscheinlich den Schrott des Nachbarn als Geschenk in den Garten stellen lassen. Manchmal aber gibt es auch wirklich gut gemeinte Geschenke, die letztendlich allerdings mehr dem Schenkenden als dem Beschenkten gefallen. Weil man selbst gerne Heimatfilme sieht oder ein Pop- Konzert besucht, macht man damit nicht automatisch auch jedem anderen eine große Freude.

Vielleicht müssen auch nicht alle guten Geschenke unbedingt spontane Begeisterungsstürme auslösen. Manches Geschenk erfüllt vielleicht einen gewissen pädagogischen Zweck; beispielsweise wenn man jemandem, der gelegentlich leichte Schwierigkeiten im Haushalt hat, ein Kochbuch schenkt  oder einem Workaholic einen Hotelgutschein für ein erholsames Wochenende. Gut, das kann natürlich auch als Kritik oder Bevormundung angesehen werden. Solche Geschenke können aber auch, wenn sie ernst gemeint sind, Ausdruck wirklichen Interesses und echter Anteilnahme sein, weil man sich eben nicht mit einem Standartgeschenk zufrieden gibt. Man schenkt nicht nur das, was der andere sich wünscht, sondern was er wirklich braucht. In einer vertrauensvollen Beziehung könnte sich der Beschenkte darauf einlassen und von der überraschenden Hilfestellung mehr profitieren als durch irgendetwas, das er in ähnlicher Weise schon hundertfach besitzt.

Wer nach einem guten Geschenk sucht, der sollte natürlich nicht nur darauf achten, was einem selbst besonders gut gefällt oder was man selbst gerne geschenkt bekäme, sondern was der andere braucht oder was er gerne hat. Dabei hilft es selbstverständlich, den zu Beschenkenden zu kennen. Manchmal fällt beim Grübeln über das richtige Geschenk auf, dass man selbst Menschen mit denen man schon ziemlich lange zusammen ist, nicht wirklich gut kennt und es einem deshalb schwer fällt, etwas Geeignetes zu finden. Dann hilft zumeist Nachdenken und das genauere Beobachten des zu Beschenkenden. Man könnte ihn oder seine engeren Freunde natürlich auch direkt nach seinem Geschmack oder seinen Bedürfnissen fragen. Das kann aber auch schnell danebengehen oder als einfallslos wahrgenommen werden.

Wie wahrscheinlich jeder weiß, liegt der Wert eines Geschenks auch nicht in der Menge des Geldes, das man dafür investiert hat. Allerdings ist ein Geschenk auch deshalb nicht automatisch passend, weil man dafür viel Zeit oder persönliche Mühe eingesetzt hat. Mancher mag eben keine Stricksocken, auch wenn diese zweifellos ziemlich individuell sind und man einige Mühe darauf verwandt hat. Trotzdem, ein bisschen Überraschung sollte schon in jedem Geschenk stecken. Nur zu bekommen was man ausgesucht oder schon lange erwartet hat, ist zumeist eher langweilig; ebenso wie Geld, das häufig zwar willkommen ist, gleichzeitig aber auch etwas einfallslos und ziemlich anonym. Bei Menschen, die wirklich dringend auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind, sieht die Sache natürlich wieder anders aus.

Zu bestimmten Anlässen erwarten die meisten irgendwelche Geschenke und sind eher frustriert, wenn sie dann leer ausgehen. Für viele ist das der Geburtstag, Weihnachten, vielleicht der Hochzeitstag oder ein anders, wichtiges Jubiläum. Geschenke außerhalb der Reihe, da wo man sie nicht wirklich erwartet, können dann eine ganz besondere Überraschung sein. Manchmal genügt schon eine kleine Aufmerksamkeit, eine besondere Süßigkeit, ein Abend zu zweit, eine handgeschriebene Karte mit ganz persönlichen Wünschen oder der kleine Ausflug an einem freien Nachmittag.

Gott übrigens beschenkt alle Menschen, ganz regelmäßig; manchmal ohne, dass das überhaupt richtig wahrgenommen wird. Viele erinnern sich eher an Gott, wenn etwas schief läuft, bei schwerer Krankheit, finanziellen Sorgen oder besonderen zwischenmenschlichen Problemen. Mancher macht Gott dann sogar Vorwürfe, weil er diese problematische Situation zugelassen hat. Man will oder kann das nicht verstehen, zumal man fest davon überzeugt ist, so etwas nicht verdient zu haben. Die meisten Menschen halten sich für gut; zumindest für durchschnittlich. Deshalb sei Gott quasi verpflichtet, das eigene Leben glatt und angenehm verlaufen zu lassen. Eine solche Reaktion ist zweifellos verständlich, trotzdem ist sie aber inkonsequent. Denn das Danken Gott gegenüber für all seine kleinen und großen Geschenke an den meisten Tagen des eigenen Lebens haben viele vollkommen aus dem Blick verloren.

Dabei beschenkt Gott Menschen immer wieder auf vielfältige Weise, ganz gleich ob sie es nun wirklich verdient haben oder nicht. Die Menschen sind seine geliebten Geschöpfe, denen er Gutes tun will. Manchmal lässt er auch Schlimmes zu, zumeist aus pädagogischen Gründen, weil dann dringend Umdenken oder Umkehr angesagt ist. Wie oft aber beschenkt Gott im Leben mit einem gesunden Körper, mit einem Beruf, mit abwechslungsreichem Essen und Trinken, mit Freizeit, mit Sonnenschein, mit Freunden und Menschen, die einem mit Interesse begegnen., mit politischem Frieden, mit gesundheitlicher Versorgung, mit einem erholsamen Schlaf, mit Urlaub, mit gesunden Kindern, mit einem Partner, mit klaren Gedanken und persönlichen Begabungen, mit dem Angebot seiner Zuwendung und Vergebung und vielem anderen mehr. Jetzt sollte man nicht an die Tage denken, an denen das eine oder andere zu fehlen schein, sondern an die Zeiten, an denen man von Gott eine oder mehrere dieser Dinge geschenkt bekam. Manchmal hilft es sich hinzusetzen, aufzuschreiben, was man alles schon geschenkt bekommen hat und Gott dann ausführlich und herzlich „Danke“ zu sagen. So etwas ist durchaus realistisch, hemmt den Pessimismus und fördert die Dankbarkeit.

„Denn es ist ein Geschenk Gottes, wenn jemand isst und trinkt und sich über die Früchte seiner Arbeit freuen kann.“ (Prediger 3,13)

„Freut euch allezeit! Betet ohne Unterlass! Seid in allem dankbar; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.“ (1.Thessalonicher 5, 16-18)

(von Michael Kotsch)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.