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Politik- Pastor Tscharntke + Corona (2)

Mir geht es in diesen kritischen Bemerkungen zu Pastor Tscharntkes Polit- Predigten nicht so sehr um seine oft pauschalen Äußerungen gegen staatlichen Verordnungen. Natürlich kann man über einzelne Corona- Forderungen der Regierung streiten. Wahrscheinlich sind wir alle in einem Jahr oder schon in wenigen Monaten klüger als heute und können besser beurteilen, was angemessen war und was nicht. Mir geht es um die grundsätzliche Vermischung Tscharntkes von Bibel und Politik und um seinen teilweise bibelkritischen Umgang mit dem Wort Gottes. Vielfach fehlt ihm die Ehrfurcht vor den Aussagen der Bibel, gerade wenn die genau das Gegenteil ausdrücken, von dem was er selbst politisch erreichen will. Hier betreibt Tscharntke eine konsequente Aushöhlung biblischer Forderungen.

Auch Paulus ordnete sich selbstverständlich der damaligen römischen Regierung unter, auch wenn er sich auf seine römische Staatsbürgerschaft berief oder das Urteil des kaiserlichen Gerichts in Rom abwartete (Apg 25, 10ff.). Selbst in seiner Situation, als zu Unrecht Angeklagter, rief er nicht zum Sturz der unmoralischen und aus göttlicher Sicht unrechten Regierung auf, sondern forderte sogar noch: „Jedermann ordne sich den Obrigkeiten unter, die über ihn gesetzt sind; denn es gibt keine Obrigkeit, die nicht von Gott wäre; die bestehenden Obrigkeiten aber sind von Gott eingesetzt. Wer sich also gegen die Obrigkeit auflehnt, der widersetzt sich der Ordnung Gottes.“  (Röm 13, 1+2)

Ebenso verhielt sich auch Dietrich Bonhoeffer der zu Unrecht von Pastor Tscharntke für seine Zwecke zitiert wird. Immerhin erlebte Bonhoeffer das Verbot zahlreicher Gemeinden, die gottähnliche Verehrung Hitlers, den Anfang eines brutalen Weltkrieges usw. Und selbst dann noch rang Bonhoeffer jahrelang mit sich, inwieweit Aktionen gegen den Staat biblisch zu rechtfertigen wären.

Es ist doch höchst erstaunlich, dass weder Jesus noch Paulus je zur Absetzung oder schon nur allein zum Protest gegen die Regierung aufgerufen haben, noch sich in die damals heiß diskutierten Themen der Politik einmischten. Dabei war der damalige Staat, unter den Christen sich nach Jesu Willen unterordnen sollten, weit gottloser und unmoralischer als die Bundesrepublik Deutschland heute. Die Hälfte der Bewohner war versklavt, Abtreibung, Homosexualität und Scheidung akzeptierte man damals als normal. Korruption, Bestechung, Betrug und Mord waren in der politischen und geschäftlichen Welt durchaus weit verbreitet. Staatlich finanziert wurden in jeder Stadt griechisch- römische Götter verehrt und angebetet, Christen hingegen verfolgt. Aber nach Tscharntkes Meinung ist die Situation derzeit ungleich schlimmer. In scheinbarer Unkenntnis unserer heutigen politischen Notsituation hatte Paulus in seine Aufforderung zu Unterordnung unter den Staat aber leider keine solche Ausnahme geschrieben. Die einzige Ausnehme ist „Man soll Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apg 4, 19; 5, 29), was sich an beiden vorkommenden Stelle auf das Verbot bezieht weiterhin von Jesus zu reden. Ein Verbot christlichen Glaubens kann bei den momentanen Corona- Maßnahmen aber wohl nur schwerlich ausgemacht werden.

Um bei seinen Zuhörern die gewünschte Empörung zu erzielen scheut Tscharntke leider auch vor Falschinformationen nicht zurück, wie das irreführende Beispiel eines wegen Corona allein sterbenden Mannes, der vorgeblich bereits im Juni 2020 beschlossene „Impfzwang“ der Regierung oder der unhistorische Vergleich mit der den Schrecken der mittelalterlichen Pest. Eindeutige und offizielle Aussagen der Politik hingegen lehnen einen „Impfzwang“ bisher ab und kündigen eine mögliche Impfung erst frühestens für 2021 an.

Es ist problematisch, wenn ein Pastor so offen Parteipolitik betreibt, wie Jakob Tscharntke das immer wieder macht. Wenn er ehrliche Kritik übt, dann bitte sehr auch an der überwiegend gottfernen AfD. Ginge es ihm wirklich um eine, manchmal durchaus gebotene Kritik an der Bundesregierung, würde er deren Leistungen und Fehler nennen, vor allem würde er dann aber klare biblische Fehler anführen und sich nicht auf Fragen konzentrieren, über die die Bibel keine genaue Auskunft gibt, „Wie viele Flüchtlinge darf ein Land aufnehmen?“ „Welche Maßnahmen darf eine Regierung zum Gesundheitsschutz der Bevölkerung anwenden?“ Christen sollten sich mehr auf die Anliegen Jesu konzentrieren, statt sich von irgendjemanden für seine politischen Ziele vereinnahmen zu lassen.

Christen müssen auch keine Angst haben vor bösemeinenden, „satanischen“ Herrschern, weil sie von der viel größeren Macht Gottes wissen. Der sagt: „Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; sei nicht ängstlich, denn ich bin dein Gott. Ich mache dich stark und ich helfe dir! Ich halte dich mit meiner rechten und gerechten Hand.“ (Jes 41, 10) Und  Jesus verspricht: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Weltzeit!“ (Mt 28, 20)

(von Michael Kotsch)

Anhang: Regierung diffamieren, statt biblische Unterordnung

Jakob Tscharntkes öffentlichen Ausführungen zu Römer 13 übergehen klare biblische Aussagen und konzentrieren sich stattdessen auf zweifelhafte politische Spekulationen  (Link unten). Eigentlich geht er auf die biblische Forderung gar nicht ein. Stattdessen argumentiert er sehr unsachgemäß mit politischen Aussagen, wie „alle Macht geht vom Volk“ aus. Wenig später aber will Tscharntke sich weigern, dass zu tun, was „das Volk“ durch seine Volksvertreter beschlossen hat. Dann kritisiert er, dass „das Volk“ aber nicht immer so entscheide, wie es in der Bibel gefordert werde, z.B. in Fragen der Abtreibung. Dabei übergeht er unsachgemäß die Grundregeln der parlamentarischen Demokratie. Die Macht „des Volkes“ besteht in Deutschland eben nicht darin, jede Entscheidung der Regierung infrage zu stellen, sondern vor allem darin, in regelmäßigen Abständen wählen oder sich bei Notwendigkeit über Petitionen oder Gerichte zu beschweren zu können. Tscharntkes Aussagen über die deutsche Demokratie sind also nachweislich falsch. Das Bekenntnis zu den klaren Forderungen der Bibel „ordnete euch unter“ fehlt vollständig. Leider argumentiert Pastor Tscharntke immer wieder auf diese Weise. Deutlich biblische Aussagen ignoriert er, weil sie seiner politischen Überzeugung widersprechen. An deren Stelle setzt er schlecht begründete oder sogar unwahre politische Spekulationen, die am Ende genau zum Gegenteil führen, von dem, was das Wort Gottes fordert.

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